Nach dem Osterrätsel mit Ziel Badeplatz, bei dem viele Familien teilgenommen haben, halten wir nun die zweite Challenge für unsere Familien-Sippen bereit:

 

Die Nudel-Challenge

 

Die Aufgabe besteht darin, ein absolutes Hamsterprodukt selbst herzustellen, nämlich Nudeln (Klopapier kommt später). Dies erscheint natürlich nur dann als unspektakulär, wenn man darunter nur die bekannten Spaghetti oder Bandnudeln versteht und der Kreativität keinen Raum lässt, die zu einer endlosen Formen- und Farbenvielfalt und vor allem einer entsprechenden Einbettung dieser Sättigungsbeilage in ein kreativ-witziges-ungewöhnliches-nochnichtausprobiertes Gericht führen könnte.

Kurzum: Gemeinsam mit euren Kids sammelt ihr Ideen und realisiert diese für den Samstagabend- oder Sonntagmittags-Tisch.

Rahmenbedingungen:

  • Ihr meldet euch bis Donnerstagmittag (23.04.2020) per eMail bei joerg@pfadfinder-beuern.de mit der Info: „Geht klar, wir nehmen die Herausforderung an und werden unser Bestes geben., wir sind XX verfressene Mäuler“
  • Am Samstag erhaltet ihr eine hinreichende Menge Mehl (Mangelware im Supermarkt) von uns geliefert, und zwar Weizenmehl aus Beuern!! (Korn vom Lindenhof, gemahlen in der Spitzmühle – regional, fair, von unseren Bienen bestäubt).
  • Ihr liefert uns bis Montagabend drei Fotos (eins von eurer Zusammenarbeit, eins vom gedeckten Tisch, eins nur von den Nudeln) und nehmt an einer Verlosung teil. Zu gewinnen gibt es eine LED-Taschenlampe.

Als Nudelrezept empfehlen wir: https://www.hr1.de/programm/besser-leben/hr1-dolce-vita-hits-for-kids,dolce-vita-452.html

 

Und so geht´s:

 

13 Familiensippen haben sich zu dieser Challenge angemeldet, wodurch sich eine große Konkurrenz formiert hat und man gespannt sein darf. Am Samstag wird das versprochene Mehl ausgeliefert und wir freuen uns auf die Fotos, die uns hoffentlich spätestens am Montag erreichen. Damit das klar ist: Wir erwarten von euch nachhaltige Anregungen für unsere Speisepläne beim nach-coronalen Lageralltag!

 

 

Noch bevor das erste Mehl ausgeliefert ist, schickt uns Sonja ihr Frühstücksbild – wahrscheinlich groovt sie sich schon morgens auf die Nudel-Challenge ein. Sehr gesund, Sonja! Und was frühstücken deine Kinder?

 

Es ist jetzt Samstag, 21:30 Uhr. Nicht nur trudeln die ersten Fotos ein, sondern Moritz und Johanna bringen eine sehr kreativ gestaltete Kostprobe an die Haustür. Fotos müssen sie noch schicken.

 

Hier die (ersten) Ergebnisse:

(Kommentiert von unserem Beuerner Nudelsommelier)

Schwäbische Maultaschen an dezenter Petersilien“beilage“ mit italienischer Nudelmaschine gefertigt.

Das Produkt überzeugt zweifellos durch den hohen Sättigungsgrad der Tellerportion und die Bereitschaft, ein fremdregionales Gericht eines für seine Sparsamkeit bekannten Völkchens auf den mittelhessischen Tisch zu bringen – das ist gelebte Völkerberständigung und Globalisierung.

Arrangement: Hoher gastronomischer Standdard

 

 

Ganz und gar pfadfinderisch kommt hier eine Nordlandkreation an reichlich Speck daher.

Lappland war bereits in den 1910er Jahren das Ziel der deutschen Jugendbewegung, von wo auch – angelehnt an die Zelte der Lappen – die Form unserer Kohte mitgebracht wurde. Der Kenner hat sofort das Lied „Und abends treten Elche …“, auf den Lippen, und die Sterne funkeln am Firmament.

Überzeugend auch die filigran gestochenen Lilien.

Das deftige Mahl versprach offensichtlich Sättigung für 8 Mäuler – so zeigt es jedenfalls der gedeckte Tisch. Ne ganze Pfadfindersippe! Klasse gemacht!

 

Gerade grätscht Sonja mit einem aktuellen Frühstücksbild dazwischen, das wir euch nicht vorenthalten wollen:

Neben dem frisch gepressten O-Saft gabs bei ihr Tee,  aufgebrüht mit frisch geernteten Kräutern:

Zitronenmelisse, Pfefferminze und e bissi Salbei.

Hausgetränk der Familie, auch gekühlt sehr lecker!

Und wenn die Kräuter mal ausgehen, lässt sich die Deko sicherlich auch sehr schmackhaft aufbrühen.

 

 

 

 

 

Die nächste Nudelvariante schließt an diesen Gesundheitstrip an. Rechtzeitig vor dem Mähen am Samstagnachmittag konnten wesentliche Zutaten für das Gericht gerettet werden, das hier geführt werden soll als Maultaschen an Steiner-Berg-Wiese. Ein absolutes Highend-Produkt bezogen auf das selbstversorgende Leben unter coronalen Bedingungen. Die mit Hackfleich (man wird freilich von Bio-Fleisch ausgehen dürfen), Spinat und Ricotta gefüllten Maultaschen kontrastierten an einem Wildkräutersalat (nicht im Bild) aus Sauerampfer, Zitronenmelisse, Schafgarbe, Spitzwegerich, Winterhecke (hallo?, musste die jetzt schon geschnitten werden?), Pimpinelle, Knoblauchrauke, Löwenzahn, Rucola und Kresse.

Auch dieses Gericht steht in Verdacht, in die Fahrtenküche aufgenommen zu werden. Denn Wiese gibts überall – einzig die Kenntnis der Kräuter müsste ein wenig geschult werden. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass es den Kids nix ausmacht, einfach Gras zu futtern.

 

Ästhetisch betrachtet geht dieses Ergebnis durch die Decke:

Maultaschen-Blau-Gelb, gefüllt mit Hackfleisch und Bärlauchpesto an Hackfleisch, Bärlauchpesto und geschmelzten Ziebeln.

Die mir vorliegende analoge Variante beweist: oben blau, unten gelb – und vor allem sehr schmackhaft.

 

Am Telefon gibt der Sippenälteste zu Protokoll: „Maultschen haben wir zum erstem Mal gemacht. Mir sind die immer zu nudelig und zu wenig Fleisch“.

Dies erklärt die spezifische Beilage. Hingegen scheinen sich die beiden weiblichen Familien-Sippenmitglieder mit der blau-gelben Blumenapplikation durchgesetzt zu haben.

Zweifellos eine Augenweide!

 

 

 

Auch diese Familien-Sippe outet sich als Newcommer in Sachen Nudelherstellung. Das jüngste Sippenmitglied wollte – und tat es dann auch – die Nudeln alleine herstellen (das Beweisfoto zeigt ein höchst souveränes Eiaufschlagen des Siebeneinhalbjährigen).

Da eine genauere Bezeichnung des Gerichts nicht mitgeliefert wurde, interpretieren wir es als Pasta Verdura Mista a la lipsia, worunter wir es auch hier führen wollen.

Der italophone Leser wird schnell feststellen, dass es sich um eine zutiefst ostdeutsche Kreation mit unverkennbaren mediteranen Attitüden handelt.

Das Gericht strotzt vor Frische gesunden Gemüses und besticht durch den nussigen Abgang, der freilich den angerösteten Sonnenblumenkernen geschuldet ist (oder sehe ich das falsch?)

 

 

 

 

 

Im Zeitalter der digitalen Kommunikation erreicht uns hier ein nur scheinbar rückwärtsgewandter Wiederbelebungsversuch analoger Schriftzeichen. Mehr noch: Anders als bei der über den Tastsinn erfahr- und lesbaren Keilschrift der Sumerer oder der von Louis Braille im 19. Jahrhundert erfundenen Blindenschrift wird Schrift hier zum Erfahrungsgegenstand menschlicher Geschmacksknospen, die ein gustatorisches Erlebnis von höchstem Niveau in Aussicht stellt.

Ob dieses Nudellettering Teil einer insbesondere von Kindern geliebten Buchstabensuppe war, wurde von der Familiensippe leider nicht mitgeteilt. Auf jeden Fall hat dieses Nudelprodukt gute Chancen, in das für Fahrten und Lager geführte Gerichtesammelsurium aufgenommen zu werden, denn konsequente Orientierung am Corporate Design gilt bei den Wikingern auch für den Mageninhalt.

 

Die Herstellung des Schmetterlings unter den Nudeln wird auch unter den Italienern als hohe Kunst gewürdigt. Sehr akribisch werden kleine Quadrate mit einem gezackten Teigrädchen geschnitten und anschließend mit spitzen Fingern in der Mitte zusammengedrückt.

Noch mehr Achtung wird demjenigen zuteil, dem es zudem gelingt, die Früchte des Meeres mit denen des Bodens in ein harmonisches Ganzes zu bringen, das dem Gaumen ein Erlebnis besonderer Art beschert (zumal, wenn brettharter Parmesan als Topping Verwendung findet).

Im Falle dieses Gerichts ist es der familiären Pfadfindersippe zweifellos geglückt, tote Garnelen mit Tomatenstampf als dominates Element dieses Tellergerichts auszulegen, weshalb es hier als Tomatengarnelen an Farfalle a la nouva strada geführt wird.

In den 50er Jahren war Italien ein von Pfadfindern stark präferiertes Fahrtenziel. Jungs und Mädels – das wäre doch auch heute was!

 

Auch diese familiäre Pfadfindersippe hat keine Mühen gescheut, uns eine ganz besondere Nudelkreation vorzustellen. Wenn ich recht sehe, dann handelt es sich um „Riccioli“, an deren Herstellung sich nicht einmal die Firma „Barilla“ herantraut. Lediglich „Buitoni“ ist es bislang geglückt, diese Nudelform auf den Markt zu bringen. Sie zeichnet sich durch eine recht große Oberfläche und damit durch die Eigenschaft aus, vergleichsweise viel Sauce aufnehmen zu können (wovon offensichtlich auch reichlich zur Verfügung stand – siehe Foto).

Nicht nur die Wolfskopfnudel läßt vermuten, dass diese engagierte Kreation an einem historischen Ort entstand, an dem schon früher Mehl ohne Säuerungsmittel zu Sättigungszwecken verbacken und überregional verkauft wurde. Wir führen das Erebnis deshalb als Riccioli a la azzimo.

 

Mit dem Hinweis: „Kommen wir nicht ans Mittelmeer, kommt das Mittelmeer zu uns“ wird uns auch hier ein meditarenes Amuse-Gueule mit weitem Erwartungshorizont aus einer allerdings vermeintlichen Sternenküche präsentiert, das gleichwohl seinesgleichen sucht. Von einer Sternenküche kann schon angesichts des Produktionsorts keine Rede sein, wenn Glasplattentisch als Arbeitsfläche und Gartenbank als Trocknungsort für Nudeln dienen.

Sei´s drumm: Allemal pfadfindererfinderisch-unkonventionell mit großem Spaßfaktor. Wilkommen bei den Wikingern!!

Zumal die nicht sichtbare Geschmacksapplikation dieser (eigentlich blauen) Nudeln sich dem Bildbetrachter erschließt aus folgender Beschreibung: „geschwenkt in einer Knoblauch-Thymian-Zitronen-Butter und überstreut mit Parmesan und Gartenkräutern (Schnittlauch, Zitronenmelisse, Thymian, Rosmarin , Salz, Pfeffer)“.

Und dann noch die Zitronenscheibe zur Stärkung des Immunsystems!

 

 

Schon die Beschreibung des Gerichts versetzt den italophilen Nudel-Sommelier ins Schwärmen und verbindet die gustatorische Errfahrung/ Erinnerung mit Bildern des Cinque Terre, weshalb wir hier von Pasta a la cinque terre sprechen.

 

 

 

 

Eigentlich sollte dieser Beitrag dem Genre der Eat-Art zugeschlagen werden. Doch halt! So einfach ist die Sache nicht.

In dieser Kreation, die so kreativ, lieblich und verführerisch daherkommt, verbergen sich knallharte familienstrukturelle und politische Attitüden. Sie ist darauf angelegt, feministische Überzeugungen (die Familiensippe ist weiblich dominiert) und grüne politische Grundhaltung unablässig dem kritischen Mahlwerk der Backenzähne auszusetzen, d.h. sich nicht nur sprachlich bei Tisch mit den tagespolitischen Angelegenheiten kritisch-konstruktiv und edukativ auseinanderzusetzen.

Sehr überzeugend und nachahmenswert ist zudem zweifellos die Färbung der Pasta mit Naturprodukten, nämlich Roter Beete, Kurcuma und Spinat, die die politisch grün-alternative Haltung dieser Familiensippe unterstreicht.

Gerne hätte der Nudel-Sommelier mit am Tisch der sichtlich glücklichen Familien-Sippe gesessen und Nudeln in Form von Hammer und Sichel beigesteuert. Auch verfügt er über eine Karl Marx-Ausstechform. Na, da wäre die Post abgegangen. Wir führen diesen einzigartigen politisch-nahrhaften Beitrag unter dem Titel: Pasta a la amore per la natura.

 

Wer nicht viel diskutieren, sondern einfach nur gut essen möchte, folgt den italienischen Fernfahrern. Diese wissen, an welchen Ausfallstraßen es die besten und deftigsten Gerichte gibt. So scheint es auch in einer Ausfallstraße in Beuern der Fall zu sein, wo Nudeltaschen mit Mozzarella-Spinatfüllung an Kartoffelsalat sowie Bandnudeln mit Käse-Sahne-Sauce gereicht werden. Hier kocht nicht die Mama, sondern die ganze Familie – und alles wird selbst hergestellt – nix TK oder Tüte! Nachdem der Nudel-Sommelier unlängst seine Grüne Soße mit dem Kartoffelsalat der Schwägerin kombinieren musste, ist er auch für diese auf den ersten Blick etwas eigenwillige Zusammenstellung offen. Das Bild des gedeckten Tischs beweist, dass es sich bei dem hier gezeigten nicht um ein arrangiertes Bild handelt. Alle Teller waren identisch angerichtet – na ja, auf machen waren etwas weniger Gurken (wahrscheinlich für die Kids). Für alle Fernfahrer empfehlen wir die Pasta variazione a la cinpue case.

 

Der wirkliche Pfadfinder dieser Familiensippe schreibt zum Bild: „Wir haben Ravioli aus einem italienischen Kochbuch  (Sprache war auch Italienisch) gemacht“. Ist das jetzt geprotzt oder ein Hinweis auf einen verwegenen Blindflug?

Wir lassen das mal so stehen. Das Ergebnis überzeugt auf jeden Fall. Und zwar keineswegs wegen der offenbar unter Zuhilfenahme geometrischer Werkzeuge exakt geschnittenen Ravioli, die auch durch die Füllung mit Spinat und Ricotta nicht ihre Form einbüßten. Nein, wir finden hier eine Variante der Eat-Art, die kunsthistorisch auf den Symbolismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts zurückgreift. Dem Kenner springen sofort die Farben der italienischen Flagge ins Auge, die mit den Ravioli (Weiß), Tomatensauce (Rot) und Basilikum (Grün) hier auf diesem Teller eine gustatorisch interessante Vergegenständlichung finden. Mehr noch: Alle Pfadfinder werden mahnend an die große Bedeutung des rechten Winkels beim Aufbau einer Kohte erinnert, während das Drappieren der Basilikumblätter auf das Kleeblatt in unserem Bundeszeichen verweist. Das kann doch alles kein Zufall sein!!! Weil hier eine überzeugende Symbiose aus italophilem Leben und Pfadfinderei offensichtlich gesucht und durchaus gefunden wurde, firmiert diese Gericht hier unter: Pasta per la bandiera e scautismo.

 

Avanti o popolo, bandiera rosso

Alla riscosa, alla riscossa

Avanti o popolo, bandiera rosso

Alla riscosa, trionfera

Evviva communisma e la liberta

Ja, dieses alte italienische Arbeiterlied lag dem Nudelsommelier auf den Lippen, bevor nun auch er endlich reinhauen durfte.

Er habe sich im Falle der Nudelkreation Pasta al la amore per la natura doch ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt, so einige kritische Reaktionen, weshalb nun eigens für die Challenge von ihm die Pasta per la movimento dei lavoratori kreiert wurde.

 

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